Media Virus

Kapitel 6

Das Netz

Auf keinem anderen Gebiet wurde der amerikanische Pioniergeist mehr wiederbelebt als an der elektronischen Front. Das Computernetz ist ein sich ständig ausdehnendes neues Territorium, und es wächst schneller als unsere Fähigkeit, es zu dokumentieren oder zu zivilisieren.

Die Computer-Netzwerke, die als dezentralisierte Gebilde gedacht waren, haben sich zu komplexen, chaotischen Systemen entwickelt, die in einem Grade mit Rückkopplungen und Abwandlungen arbeiten, der selbst für ihre enthusiastischsten Teilnehmer kaum vorstellbar ist. Computer-Netzwerke haben eine fraktale Architektur, wobei große Netze kleinere, miteinander verbundene Gruppen spiegeln, die wiederum die innere Arbeitsweise einer einzelnen Maschine abbilden, die wiederum Gestalt und Struktur ihrer Software, die Befehle innerhalb dieser Software und die Bytes der binären Daten innerhalb dieser Befehle abbildet. Da Computer auf Rückkopplung hin angelegt sind, bieten sie jedem, der Zugang zu einem Computer und einem Modem hat, beispiellose Ausdrucksmöglichkeiten. Ein winziger Laptop in Montana kann so viel bewirken wie ein aus mehreren Großrechnern bestehendes System in Washington, D. C.; jeder Text, der in das Netz geschickt wird, hat einen so großen Einfluß auf das Gesamtsystem wie irgendein anderer. Weil der Computer und seine Netze - die in der Tat Informationen in fast endlosen Schleifen kreisen lassen - Vervielfältigungsmaschinen sind, jagen sie denjenigen Angst ein, deren Macht darauf beruht, die Medien zu kontrollieren, also die Möglichkeiten der Öffentlichkeit einzuschränken, ihre Beobachtungen und Absichten zu verbreiten.

Es ist bemerkenswert, wie sich das alles entwickelt hat. Wenn man die Entwicklung der Computernetze zurückverfolgt, wird klar, warum sie so grundsätzlich chaotisch sind; sowohl die bewußten Planungen ihrer Architekten als auch so etwas wie ,,natürliche Ursachen" führten zur Bildung eines neuartigen Dschungels - ein Netz mit derart ausgedehnten Wurzeln und Ästen, daß es die Fähigkeit besitzt, alles zu verändern, was mit ihm in Berührung kommt und darüber hinaus das Aussehen des Waldes, also sich selbst zu verändern.

Um das Entstehen der Computer-Netzwerke zu beschreiben, muß man im Jahre 1964 beginnen. Damals wurde ein ,,think tank" des Kalten Krieges, die Rand Corporation, beauftragt, etwas zu entwikkeln, damit die Vereinigten Staaten im Falle eines Nuklearkrieges die militärische Kommunikation aufrechterhalten könnten. Das postapokalyptische Szenario, das man vor Augen hatte, war der postmodernen Weltsicht der Kultur der Verweigerer und Drückeberger überraschend ähnlich. Rand legte fest, daß das Kommunikationsnetzwerk ,,keine zentrale Autorität" haben dürfe und ,,von Anfang an so konstruiert sein sollte, daß auch noch seine Fragmente funktionstüchtig sind".[1]

Das ARPANET der Rüstungsindustrie wurde Mitte der siebziger Jahre geschaffen, um wie eine Alternativkultur die Kommunikation von Menschen an verschiedenen Orten zu ermöglichen und Verteidigungseinrichtungen auch noch nach einem nuklearen Vernichtungsschlag funktionsfähig zu erhalten. Die Strategie schloß ein, daß jeder Computer oder ,,Knoten" dieses Netzwerks bei der Erzeugung und Übermittlung von Daten gleichrangig war. Statt einen zentralen Befehlsstand einzurichten, von dem Anordnungen an entfernte Orte übermittelt werden, gab man jedem einzelnen der mehreren tausend Plätze des Systems die Macht, alle Befehlsfunktionen auszuüben. Wenn zum Beispiel Meldungen aus Atlanta normalerweise über Dallas geschickt würden, um nach Los Angeles weitervermittelt zu werden, das System in Dallas aber nun getroffen worden wäre, würde das Netz die Nachricht automatisch über andere Systeme umlenken. Es ist ähnlich wie bei einem Maschendrahtzaun. Selbst wenn man ein beträchtliches Loch in den Zaun schneidet, ist der Rest immer noch miteinander verbunden und kann elektrischen Strom weiterleiten.

In Nachahmung eines komplexen natürlichen Systems wie eines Korallenriffs stützte sich das ARPANET-System auf die unendlich vielfältigen Verbindungen seiner Teile. Und so scheint das am klarsten zur Hierarchie neigende Machtsystem unserer Kultur - das Militär - den am ausgeprägtesten von Gaia-Auffassungen beeinflußten Komplex entwickelt zu haben, der je von Menschen geschaffen wurde. Diese selbstähnliche Struktur von untereinander verbundenen Knoten schuf einen sich automatisch selbstregulierenden Organismus. Kein einzelner kann kontrollieren, welche Informationen sich wohin ausbreiten. Einer der Väter des Systems, John Gilmore, sagte in einer vielzitierten Bemerkung: ,,Das Netz versteht Zensur als Beschädigung und macht einen Umweg um diese Schadstelle." Ein Versuch, eine Kommunikation an einem Knoten zu blockieren, bringt das Netzwerk einfach nur dazu, eine von Millionen möglichen alternativen Routen zu finden. Je mehr mögliche Verknüpfungen und Schleusen es zwischen den Mitgliedern einer Biosphäre gibt, desto mehr Möglichkeiten hat die Natur, Störungen zu regulieren und auszugleichen. Und im Computernetz herrscht eine natürliche Tendenz zur Selbstbestimmung durch Chaos.

Als das ARPANET im Jahre 1989 ,,beendet" wurde, schien niemand zu bemerken, daß die Organisation nicht mehr existierte. Sie mußte nicht mehr bestehen, weil das von ihr geschaffene mächtige Netzwerk lebendig war. Viele Universitäten und kommerzielle Computernetze waren schon zu Knoten des Systems geworden, hatten ihre eigenen Kommunikationsprotokolle entwickelt und sich elektronische Post geschickt, Computerkonferenzen durchgeführt und Daten archiviert. Das Netzwerk wurde als ,,Internet" bekannt - ein Meta-Netzwerk, das Netzwerke in der ganzen Welt verband. Wissenschaftler und andere Forscher benutzten das Netzwerk, um sich ihre Fortschritte mitzuteilen, und Konzerne benutzten es, um Informationen von einer Firma zur anderen zu schicken.

Inzwischen hatten Hobby-Computerbenutzer ihre eigenen, alternativen Computernetze entwickelt. Zwei milliardenschwere Industriezweige - die Computerhersteller und die Telefongesellschaften - hatten ihre Technologien unabhängig voneinander entwickelt. Diese Industrien verschafften aber - wie der Futorologe Howard Rheingold in seinem Buch Virtual Communications feststellt - privaten Konsumenten unabsichtlich Zugang zu jenen Milliarden Dollar, indem sie ihnen ein kleines Gerät verkauften, mit dem sich die beiden Technologien verbinden ließen: ein Computermodem. Durch den Anschluß seines preiswerten PC mit einem Modem an die Telefonleitung in der Wohnung seiner Eltern kann ein Kind Zugang zu einem globalen Kommunikationsnetzwerk bekommen wie jeder andere mit diesem Netzwerk verbundene Computer auch. Die geballte Rechenleistung dieses Tele-Netzes von Millionen von Computern - und Millionen von Computerbenutzern - ist unvorstellbar größer als jedes einzelne, erschwingliche, konstruierbare Gerät oder jede aus Menschen bestehende Organisation.

Die alternativen Netzwerke begannen als lokale Einwahlknoten. Eine Person richtet einen Computer und eine oder mehrere Telefonleitungen als BBS (bulletin board service - Schwarzes Brett, in Deutschland ist der Ausdruck ,,Mailbox" üblich - A. d. Ü.) ein. Andere Benutzer in seiner Gegend wählen sich in das BBS ein und hinterlassen Nachrichten füreinander, übermitteln Informationen oder stellen den anderen Benutzern Fragen. Es gibt Mitteilungen von Hackern, die die neuesten geknackten Codes austauschen, oder von Leuten, die ihre Autos verkaufen wollen oder die Handlung der letzten Folge von Raumschiff Enterprise diskutieren. Die privaten BBS schufen schließlich ihr eigenes Meta-Netzwerk, das FIDONET genannt wurde. So ist es möglich, daß Leute über eine Mailbox elektronische Post an ihre Freunde in anderen Mailboxen senden können, ohne die Kosten für ein Ferngespräch in ein weit entferntes BBS bezahlen zu müssen.

Das FIDONET ist wiederum mit dem Internet verbunden, und beinahe jeder hat Zugang zu allem. Es gibt (im Sommer 1995) mehr als 4 Millionen ,,Host"-Rechner, die als Gastgeber für eine Vielzahl von Benutzern in lokalen Netzen (Universitäten und Firmen) arbeiten oder von privaten Nutzern über PC und Modem anwählbar sind. Angaben über die Anzahl der aktiven Benutzer sind schwer zu ermitteln, es sind derzeit mehr als 30 Millionen, vielleicht auch mehr als 40 Millionen Menschen weltweit. Die Zahlen haben sich seit Beginn der neunziger Jahre im Zwei-Jahres-Rhythmus verdoppelt. Um einen Netzknoten einzurichten, muß eine Person oder eine Firma nur über einen Computer verfügen, der leistungsfähig genug ist, um als Relaisstation für das Netz dienen zu können. Um User zu werden, muß man nur Zugang zu einem Computer mit einem Modem haben und sich über den Knoten eines privaten BBS, einer Universität oder einer Forschungseinrichtung einwählen. Das kostet eine geringe Gebühr oder ist manchmal sogar gratis. Viele Benutzer wählen sich über ihre Computer am Arbeitsplatz ein, die oft durch den Knoten ihrer Firma mit dem Internet verbunden sind.

Es muß nicht betont werden, daß das Internet eine soziale Anarchie bildet. Es gibt in diesem System keine Leitungsstrukturen. Wissenschaftler teilen sich das Netz mit Freizeit-Benutzern und Hakkern, mit Schriftstellern, Künstlern, Forschern, Firmen und natürlich auch politisch Oppositionellen. Das Internet bedroht automatisch alle Mächtigen, weil niemand - zumindest bislang nicht - den ungeheuren Informationsfluß regulieren kann. Die tatsächlichen Wahrnehmungen von Millionen Menschen, die sie über die Netze miteinander teilen, schaffen ein nicht wegzuleugnendes, scharfes Portrait unserer gegenwärtigen Zustände. Die öffentliche Meinung ist immer dadurch beeinflußt worden, daß die Leute mit Informationen von oben gefüttert wurden. Hundert Millionen Augenpaare, die auf den berühmten Nachrichtensprecher oder CNN gerichtet waren, machten die Steuerung der öffentlichen Aufmerksamkeit einfach. Hundert Millionen Menschen, die über ihre Computer Texte austauschen und ihre Informationen von Forschern, Beobachtern, aus Archivmaterialien und einfach von anderen Menschen erhalten, können unmöglich kontrolliert werden. Sie sind imstande, die Informationen auf ihren Wirklichkeitsgehalt zu überprüfen. Sie haben außerdem eine gegenkulturelle Waffe in der Hand.

Elektronische Alternativkultur

Die bei weitem größte Macht des globalen Computernetzes besteht in seiner Fähigkeit, die öffentliche Wahrnehmung zu verändern. Dabei ändert sich weniger die Sicht irgendeines bestimmten Problems als vielmehr die Sicht der eigenen Fähigkeit von normalen Bürgern, das globale System zu begreifen und zu beeinflussen. Jeder, der durchs Internet surft, erfährt, daß er von seinem eigenen Laptop aus die Möglichkeit hat, alles nur Erdenkliche zu erreichen, von der Library of Congress über eine Datenbank in Tel Aviv bis zur Alarmmeldung eines Oppositionellen oder zu den Archiven des Weißen Hauses.

Mit dem Versuch, den Eindruck der Reaktionsfähigkeit auf die Rückkopplungen im Netz zu erzeugen, installierte die Clinton-Mannschaft schon Internet-Verbindungen, lange bevor Clinton überhaupt das Amt übernahm. Das Wahlkampfbüro konnte per E-mail erreicht werden, und Presseerklärungen und Reden waren für jeden Interessenten leicht zugänglich. Kurz nach dem Einzug ins Weiße Haus gab die Regierung bekannt, daß sich die On-line-Präsenz noch verstärken sollte. Heute kann jeder die täglichen Presseerklärungen automatisch erhalten, dazu Kopien von Clinton-Reden und Protokolle von Pressekonferenzen oder Bemerkungen, die auf Fototerminen gemacht wurden. Es wurden verschiedene Anlaufstellen eingerichtet, die über E-mail Kommentare und Kritik aus der Öffentlichkeit entgegennehmen. Andere Netze erlauben direkte interaktive Verbindungen mit dem Kommunikationsstab des Weißen Hauses. Ein Kind, das mit einem Computer aufwächst und jederzeit die Möglichkeit hat, Mitarbeiter des Weißen Hauses zu kontaktieren, wenn ihm eine Bemerkung nicht gefällt, die der Präsident am selben Tag in Tokio gemacht hat, nimmt seine Regierung ganz anders wahr als jemand, der nur Zugang zu den Verlautbarungen der Abendnachrichten hat.

Natürlich ist die neuen Möglichkeit des Austauschs von E-mail zwischen normalen Bürgern und dem Weißen Haus noch stark davon geprägt, daß die Computerbenutzer die Mitarbeiter des Weißen Hauses als ,,wichtige Persönlichkeiten" wahrnehmen. Es ist aufregend - wenn es auch keine Macht verleiht -, E-mail mit dem Absender ,,Weißes Haus" zu erhalten. Die wirkliche Macht des Netzes entsteht jedoch aus der Interaktion von Gleichen. Der größte Teil der Interaktion von Computern besteht nicht darin, daß E-mail hin- und hergeschickt wird, sondern in der Teilnahme an sogenannten Konferenzen, an die man Mitteilungen senden kann. Das größte Konferenz-Netzwerk heißt USENET. Es umfaßt Tausende von Individuen, die in ,,Newsgroups" organisiert sind. Einzelne Benutzer versenden ,,Artikel" an eine Gruppe. In einer der Gärtnerei gewidmeten Newsgroup begann eine Diskussion über Umweltfragen, als ein Teilnehmer einen Artikel versandte, in dem er fragte, welche Zimmerpflanzen ihm bei der Beseitigung des Smogs in seiner Wohnung helfen könnten. Die Teilnehmer einer Newsgroup lesen die Botschaften und beteiligen sich dann mit eigenen Beiträgen. Die schon erwähnten Mailbox-Systeme funktionieren ganz ähnlich. Ein solches System teilt sich in ,,Konferenzen" genannte Gruppen auf, neue Diskussionen in diesen Konferenzen heißen ,,Themen", zu denen die Benutzer Nachrichten und Antworten übermitteln.

Während ein BBS meistens nur auf einem einzigen Rechner existiert, den die Benutzer direkt anwählen, ist USENET ein über tausende von Rechnern ausgedehntes Netz. Verschiedene ,,Gruppen" bestehen an verschiedenen Orten. Eine Unterhaltung über Gärtnerei kann auf einem Gerät in Memphis lokalisiert sein und eine über Datenschutz in San Francisco und Menlo Park. Natürlich betrifft den User, der an diesen Unterhaltungen teilnimmt, die geographische Zuordnung überhaupt nicht. Sie finden in einer Sphäre statt, die als ,,Cyberspace" bekanntgeworden ist - ein Terrain, das keine konventionellen Beschränkungen oder Hierarchien kennt.

BBS-Systeme ähneln Treffpunkten in kleinen Ortschaften. Als ,,virtuelle Gemeinschaften" bieten sie den Benutzern eine Heimat neben ihrer geographischen. Eine der größten dieser Gemeinschaften wurde von der Zeitschrift Whole Earth Review ins Leben gerufen und trägt den Namen Whole Earth Lectronic Link (abgekürzt WELL). Die Teilnehmer stammen besonders aus der Gegend von San Francisco, verteilen sich aber über das ganze Land. Obwohl es in den Konferenzen bei WELL viele unterschiedliche Ansichten gibt, ist die Grundstimmung doch extrem fortschrittlich, umweltbewußt, pro-psychedelisch und ethnisch und sexuell tolerant. WELL ist die virtuelle Gemeinde der Gegenkultur und bietet ihren Benutzern Gelegenheit, sich mit Gleichgesinnten zu vernetzen. Wenn es einem einzelnen in einem kleinen Ort oder einer entlegenen Gegend auch unmöglich ist, in seiner physisch vorhandenen Gemeinde jemanden zu finden, der seine radikalen Ansichten teilt, so kann er bei WELL andere ansprechen, die seinen Ideen zustimmen oder sie zumindest zu diskutieren bereit sind. Die Mitglieder von WELL sind davon überzeugt, daß sie eine wirkliche Version des vielzitierten ,,globalen elektronischen Dorfs" geschaffen haben. WELL ist oft mit den heißen Bädern in Esalen verglichen worden: Viele Köpfe und Gedanken werden in einer Art Ursuppe durch neue Ideen zusammengebracht. Einige Teilnehmer, wie Mark Saltveit von der Vereinigung ,,Real People for Real Change", stellen ganz offen neue Themen zur Diskussion, um Strukturen neuer Meme darum kristallisieren zu lassen.

WELL und USENET bieten auch Kanäle für sofortige Rückkopplungen und Vervielfachungen. Beinahe jedes in diesem Buch besprochene Virus ist vermutlich in irgendeiner Form im USENET bemerkt und benannt worden. Die Ren & Stimpy gewidmete Newsgroup zum Beispiel diskutiert die Sendung, die Comicbücher und die Videospiele mit der Intensität einer universitären Debatte über James Joyce. Indem die Teilnehmer über die Meme reden, die in der Sendung verborgen sind, und sie dingfest machen, bestätigen sie ihren Vermutungen. Das USENET bietet ein natürliches Forum für die Themen, Ikonen und kombinierbaren Meme der Popkultur-Medien. In einem Artikel wurde mitgeteilt, daß ein neues Computervirus entdeckt worden sei, das den ,,Log Song" aus der Werbesatire am Beginn der Sendung aus dem Computerlautsprecher erklingen läßt. Andere Teilnehmer kommentieren den Artikel und sind entzückt darüber, daß ausgerechnet das ,,Log"-Thema, das selbst eine Satire auf kommerzielle Medienviren darstellt, zur Benennung eines Computervirus dient.

Mike Reiss und Al Jean von den ,,Simpsons" lesen die Beiträge in den ,,Simpsons"-Newsgroups regelmäßig. Es gibt zwei Gruppen über die Sendung selbst und eine dritte, die sich ausschließlich ,,Itchy and Scratchy" widmet, der Strip-Serie innerhalb der Sendung. Die Kommentare der teilnehmenden Zuschauer ermöglichen den Produzenten Einschätzungen darüber, wie erfolgreich ihre Zielvorstellungen von ihrem Publikum angenommen wurden. Das USENET und die Mailbox-Systeme vervielfachen daher nicht einfach die Meme der Sendung, sie geben den Zuschauern die Möglichkeit, sich - wenn auch indirekt - an ihrer Erzeugung zu beteiligen.

USENET bietet dem Medienpublikum nicht nur eine Gelegenheit, aktiver an den Ideen des offiziellen Fernsehens wie der Underground-Comics mitzuwirken, es ist auch ein außerordentlich praktisches Netzwerk für die direkte politische Aktion. Ob sie Medienviren durch provokative Botschaften in die Welt setzen oder einfach um Hilfe rufen, die oppositionellen Aktivisten in den Computernetzen benutzen die Verbindungen untereinander, um großangelegte Angriffe auf die nach ihrer Ansicht herrschende militärisch-industrielle Tyrannei zu starten. Tatsachen, die zu heikel für die Nachrichtensendungen sind, finden ihren Weg in die Mailboxen und die USENET-Gruppen, sofern irgendwo irgend jemand mit einem Computer beschließt, sie zu veröffentlichen.

Der NY Transfer News Service ist so etwas wie eine On-line-Zeitschrift, die durch elektronische Serienbriefe und durch Beiträge in den ,,progressiven" und ,,oppositionellen" Newsgroups verbreitet wird. Jede Ausgabe enthält etwa ein Dutzend Artikel mit wenig bekannten Tatsachen über wichtige internationale Probleme. ,,Die massive militärische Intervention der USA in Somalia", beginnt ein Beitrag, ,,ist das Ergebnis einer neuen Militärdoktrin, die zur Rechtfertigung des aufgeblasenen 300-Milliarden-Etats des Pentagons entwickelt wurde ... Viele Reporter, die am 4. Dezember einen Pressetermin besuchten, waren erstaunt darüber, daß die versammelten Chefs von Stabschef Gen. Colin Powells Truppe prahlen, die geplante Operation ,Wiedergewonnene Hoffnung` sei eine ,bezahlte politische Werbung` zur Vorführung der ,Fähigkeit und Nützlichkeit` des US-Militärs.` "[2]

Unter den Beiträgen einer typischen Ausgabe könnten sein: Nachrichten der Maoistischen Internationalistischen Bewegung, der Artikel eines Strafgefangenen über die Korruption in der Justizverwaltung (mit Ratschlägen an Insassen, wie sie sich Gerechtigkeit verschaffen können), ein Vortrag von Noam Chomsky über die Abbildung der ,,neuen Weltordnung" in den offiziellen Medien, ein ,,Nachdruck" einer kompletten Ausgabe eines anderen oppositionellen Nachrichtendienstes, des European Counter Network, in dem Akte des Rassismus und Faschismus und die Reaktionen darauf aufgelistet sind.

Teilnehmer in der ,,Activists"-Newsgroup des USENET und Mitglieder der entsprechenden Mailing List erhalten Artikel und Beiträge, in denen die Behandlung wichtiger Fragen durch die offiziellen Medien kritisiert und korrigiert wird. Beispielsweise demonstrierte einer der Aktivisten in einer kurzen Serie ,,So lügt USA Today", wie die Tageszeitung Zahlen über die US-Hilfe an ausländische Regierungen unrichtig interpretierte, um Amerika in ein gutes Bild zu rükken. Einer der Teilnehmer artikulierte darauf sein Mißfallen so: ,,Die großen Konzerne, deren Arbeit darin besteht, ein Massenpublikum an die Klienten von Werbefirmen zu verkaufen - d. h. an die freie Presse - pfeifen auf die Wirklichkeit und füttern uns mit Modellen der wahren Lehre, nach der wir bis zum Umfallen kämpfen, hier bei uns zu Hause alles Erdenkliche für die Dritte Welt zu tun und der Welt Nahrung zu geben. Dabei subventionieren die amerikanischen Steuerzahler die Landwirtschaft, und an jedem Tag sterben auf der Erde 40 000 Kinder."[3]

Ein weiterer aktiver Teilnehmer des ,,Aktivisten"-Forums, John DiNardo, schließt seine Beiträge häufig mit der Bemerkung: ,,Die amerikanische Öffentlichkeit hat die Wahrheit offenbar bitter nötig, denn wenn die Plutokratie uns mit süßen Lügen füttert statt mit bitteren Wahrheiten, die das Volk dazu bewegen würden, aktiv Abhilfe zu schaffen, dann sind wir in Gefahr, unwiderruflich in den Despotismus zu versinken. Verteilt die Folgen dieser Serie deshalb bitte an Computer-Mailboxen und macht Ausdrucke davon an öffentlichen Orten zugänglich, in Universitäten und außerhalb von ihnen. Es ist immer noch notwendig, daß besorgte Menschen ihre Nachbarn auf die heraufziehenden Gefahren hinweisen, wie schon in der Ära von Paul Revere. Diese Notwendigkeit dauert solange an wie die Gesellschaft selbst."[4]

Die Geschichte des USENET und der oppositionellen Newsgroups ist äußerst informativ und bietet eine Unmenge Stoff und Organisationshilfen für oppositionelle Mediennutzer in der ganzen Welt. Durch diese Geschichte zieht sich ein Motiv, die Zurückweisung der von den offiziellen Medien verbreiteten Mythen. Das Vergnügen besteht in der Äußerung selbst, die durch die neuen, kolossalen Netzwerke ermöglicht wird. Viele Computeraktivisten aus der Alternativszene sind noch sehr darauf bedacht, daß das Medium nicht zur Botschaft wird. Das European Counter Network (Teil eines großen, globalen, alternativen Netzes, der Association for Progressive Communications, APC) sprach in einer elektronischen Absichtserklärung die Warnung aus: ,,Wir sollten uns daran erinnern, daß das ECN nur ein Werkzeug ist, das Menschen in die Lage versetzt, miteinander zu kommunizieren; es ist kein Ersatz für wirklichen menschlichen Kontakt. Unser Alptraum ist, daß die ECN eine Art simulierter internationaler radikaler Bewegung wird, in der jede Kommunikation durch Maschinen vermittelt ist und in der Informationen unablässig zwischen Computern zirkulieren, ohne wieder in einen menschlichen Zusammenhang zurückgebracht zu werden."[5]

Obwohl Computermeldungen direkte Aktionen zur Freilassung von politischen Gefangenen anstoßen, Geldspenden an bedürftige oppositionelle Gruppen werben oder Verschwörungen und Bestechungen aufdecken, begreift das ECN, daß die Tendenz dahin geht, daß das Computernetz sich als Medium im Verlaufe seines weiteren Wachstums immer mehr sich selbst zuwendet. Die Befürchtung eines geschlossenen, selbstreferentiellen, virtuellen Zirkels, der von allen Einflüssen auf die wirkliche Welt abgeschnitten ist, erinnert an Arthur Krokers Vision eines völlig nutzlosen Beteiligungsmediums. Wenn wir das Medium jedoch wieder als Erweiterung eines natürlichen Systems betrachten, ist sein ,,Hang" zur Herstellung neuer Verbindungen zwischen Menschen und Netzknoten nützlich für gegenkulturelle Bestrebungen.

Howard Rheingold liefert eine gut abgesicherte langfristige Prognose in Bezug auf die Eignung von Computernetzen, der Bevölkerung größeren Einfluß zu verschaffen. Sofern die Bürger nicht ihre Rechte im Cyberspace einfordern, merkt er an, werden sie sie an die traditionellen Mächte verlieren. Rheingold hält es jedoch durchaus noch für möglich, daß die Netze, wenn sie sich entsprechend entwickeln, eine neue Alternativkultur hervorbringen können - wie sie in den sechziger Jahren entstand. In seinem bahnbrechenden Aufsatz über ,,virtuelle Gemeinschaften" führt er aus:

,,Wirkliche Graswurzeln, die im Boden wachsen, haben eine selbstähnliche verzweigte Struktur, bilden ein Netzwerk von Netzwerken. Jeder Grassame bringt ein verzweigtes System von Wurzeln hervor, von denen viele noch viel kleinere Wurzeln abgehen; die Wurzeln jedes Grashalms sind physisch mit den Wurzeln benachbarter Pflanzen verbunden, wie jeder Gärtner weiß, der einmal versucht hat, Rasen herauszureißen."[6]

Selbst wenn sich viele der Verbindungen, die von Computer-Aktivisten hergestellt werden, nicht unmittelbar in physische Aktionen umsetzen, bietet das Netzwerk doch eine Infrastruktur für alternative Basisarbeit aller Art. Die untereinander durch viele Fäden verbundenen Aktivisten in den entlegensten Orten fühlen sich nicht länger isoliert und können durch die traditionelle Propaganda nicht so leicht an den Rand gedrängt oder ganz vom Informationskreislauf ausgeschlossen werden. Selbst wenn sie einmal herausfallen, bügeln andere Knoten die Schwäche aus und helfen dem gefallenen Teilnehmer oder System wieder auf. Nachrichten über Verhaftungen, Demonstrationen und Übergriffe werden im Netz so schnell übermittelt, daß sich Journalisten aus den offiziellen Medien ins USENET und die Mailboxen einklinken, um die neuesten Nachrichten für ihre Geschichten einzufangen. Die Computernetze sind voller Leute, die mehr davon begeistert sein mögen, daß sie im Netz verbunden sind, als über die tatsächlich transportierten Daten. Aber der Netz-Aktivismus nährt gegenkulturelle Werte und erzeugt eine Umgebung, in der körperliche Herrschaft unmöglich wird.

Wir sind alle verbunden

Computer-Aktivisten benutzen die Netze besonders dazu, die Art zu verändern, in der Individuen ihr Verhältnis zur Welt im allgemeinen erfahren. Die ersten und lautesten Computer-Hacker, wie einfältig, pubertierend oder irregeleitet sie auch waren, verkündeten, daß nun die Anarchie über uns gekommen sei. Mit Hilfe weitreichender Viren behaupteten sie, die Fähigkeit zu besitzen, die wichtigsten privatwirtschaftlichen und militärischen Computersysteme der Welt lahmzulegen. Durch das Hineinschleichen in Netzwerke, sagten sie uns, konnten sie nicht nur den Kontostand jedes Bankkunden einsehen und ändern, sondern auch die Depotkonten, die Börsenorders, die Krankenblätter, die Aufzeichnungen in den Befehlszentralen des Verteidigungsministeriums und Dokumente des Geheimdienstes. Michael Synergy, selbsternannter Sprecher der anarchistischen Hakker (die meisten Computerfreaks würden Leute wie Synergy, die illegale oder unmoralische elektronische Aktivitäten fördern oder zu fördern behaupten, nicht als ,,Hacker" bezeichnen), hielt Vorträge und schrieb Artikel mit der Warnung: ,,Machts gut, ihr Banken, Telefongesellschaften und Sozialhilfeeinrichtungen. Wieviel Geld habt ihr zur Zeit in eurer Brieftasche? Es könnte alles sein, was euch geblieben ist ... Wir begrüßen die H-Bombe des Informationszeitalters. Die entscheidende Hebelaktion: ferngesteuert, zahlreich, planbar, anonym. Sie macht bestimmte Individuen genauso mächtig wie Institutionen der Regierung."[7]

Das von Freaks wie Synergy veranstaltete Getöse erzeugte im Verbund mit Schlagzeilen über Computerprobleme eine panische Stimmung in der Öffentlichkeit. Der Internet-Wurm, ein kleines virusartiges Programm eines jungen Hackers, der nur herausfinden wollte, wie groß das Internet war, verbreitete sich fast durch das gesamte System, löschte Daten und legte Tausende von Maschinen lahm. Geschehnisse wie diese zwangen Menschen, Firmen, Regierungen und Strafverfolgungsbehörden dazu, zu akzeptieren, daß Computer eine neue Form der Intimität und auch der Verletzbarkeit in unsere Gesellschaft gebracht haben.

Trotz der Bemühungen der Computerindustrie und der Verfechter der Freizügigkeit in den Netzen, Öl in die Wogen zu gießen, folgte eine Serie heftiger Schläge des US-Geheimdienstes gegen recht harmlose junge Hacker (sie sind von Bruce Sterling in Hacker Crackdown gut dokumentiert und analysiert worden). Mitch Kapor, der Gründer der Softwarefirma Lotus, richtete mit John Barlow (Autor, Texter der Rockgruppe Grateful Dead, Viehzüchter in Wyoming, Poet und Philosoph) die Electronic Frontier Foundation (EFF) ein, um neue, zivilisierte Wege zur Kolonisierung des Cyberspace aufzutun. Ihr Modell der Computernetze als neuer Westgrenze, in dem die heranwachsenden Hacker die Rollen der schießwütigen jungen Outlaws spielen und die großen Firmen die Rolle der Eisenbahngesellschaften, die soviel Land wie nur möglich kaufen und dabei unschuldige Siedler aus dem Wege räumen, ist recht zutreffend. Wegen ihres Bemühens um die Verbindung des neuen alternativen und fraktalen Paradigmas der Computerfreaks mit den traditionellen Legalisierungsansätzen der Gesetzemacher wird die EFF bei Hackern als zu konservativ und bei den Behörden als zu psychedelisch angesehen - was vermuten läßt, daß die EFF recht gute Arbeit bei der Überbrückung der Gegensätze leistet.

Einige Computerbegeisterte verbringen ihre Zeit damit, sich in die Themen dieser Verhandlungen zu verwickeln und sich auf dem politischen Feld dafür einzusetzen, daß der Internet-Zugang offen bleibt, die E-mail frei und hochgezüchtete Verschlüsselungstechniken legal bleiben. Inzwischen sind andere ausschließlich damit beschäftigt, die neue Errungenschaft des Vernetztseins zu feiern und die Freude an ihrer neugewonnenen Intimität mit der Technik zu verbreiten. Sie nehmen dabei zur Kenntnis, daß das Computer-Metavirus die Öffentlichkeit ohne zusätzliche Anstrengungen dazu gebracht hat, den Computer und seine Netze als biologische, natürliche Erweiterungen ihrer eigenen Körper zu betrachten. Wenn jemand sich ein Computervirus durch intimen Datenaustausch mit einem anderen Computer ,,einfängt", dann wird er Arbeitszeit und vielleicht Geld verlieren und braucht möglicherweise einen Computerdoktor, um Abhilfe zu schaffen. Rheingold weitet die Metapher noch aus:

,,... biologische Vergleiche eignen sich oft besser, um die Veränderungen der Cyberkultur zu beschreiben. Wenn wir an die Ausdehnung und Entwicklung des gesamten Systems denken, können wir uns den Cyberspace als soziale Petrischale vorstellen, das Netz als Nährboden und die virtuellen Gemeinschaften in all ihrer Verschiedenheit als Kolonien von Mikroorganismen, die in Petrischalen wachsen."[8]

Wie biologische Viren oder Medienviren klinken sich Computerviren in verletzliche Ecken und Winkel anderer Programme oder Dateien ein. Das Computervirus mischt dann seinen Code unter den der Originaldatei. Der Virusautor ,,Urnst Kouch" erklärt: ,,Sie können sich das als ein sehr kleines Stück Programmcode vorstellen, das sich aufmacht und sich an ein Programm auf Ihrem Computer, sagen wir ein Textverarbeitungsprogramm, anhängt. Wenn Sie Ihr Textverarbeitungsprogramm das nächste Mal aufrufen, wird als erstes das Virus gestartet, weil es eine Anweisung am Kopf Ihres Programms plaziert hat."[9] Wie eine durch Viren infizierte Zelle kann der Computer seine Programme nicht mehr in der gleichen Weise ausführen wie früher. Er ist krank, und seine Krankheit ist wie bei anderen kranken Wesen ansteckend. Wenn er mit einem Netzwerk verbunden bleibt und Programme von anderen Computern empfängt, ist jedes angeschlossene Gerät für diese Krankheit anfällig.

Terroristische Hacker verwenden Viren, um zu beweisen, daß sie in Systeme eindringen können. Sie möchten zeigen, daß wir alle miteinander verbunden sind und daß die Systeme, die zu unserer Kontrolle installiert wurden, jetzt verwendet werden können, die Aktivitäten der Herrschenden auszuspionieren und gegebenenfalls umzulenken. Unter anderem aus Eigennutz haben Techniker, die mit Anti-Viren-Software und Ratschlägen handeln, Gerüchte über neue und zerstörerische Killerviren in die Welt gesetzt (viele glauben, daß das berüchtigte Michelangelo-Virus so ein Medienerzeugnis war), um Panik und entsprechende Käufe zu fördern. EFF-Mitglieder diskutieren Computerviren, um die Notwendigkeit des Gemeinschaftsgeistes im Globalen Elektronischen Dorf zu unterstreichen. Die Computernetze verbinden uns alle sehr eng miteinander - auf beinahe biologische Weise. Mit dieser zusätzlichen Intimität muß die Entwicklung von sozialer Zuwendung und Kooperationsbereitschaft einhergehen.

Medienkulturfreaks wie ,,Bill Me Tuesday" (der Name kann als ,,schick mir die Rechnung am Dienstag" gelesen werden - A. d. Ü.), ein Hacker aus Santa Cruz, wollen, daß die Computerbenutzer positiver über Viren denken. Tuesday erklärt mit einem medizinischen Vergleich: ,,Viren können ein logisches Analyseinstrument sein. Wenn ein Virus durch ein Betriebssystem geht, bleibt es an bestimmten Knotenpunkten stehen und dreht für eine festgelegte Zeit seine Runden. Dieser Knotenpunkt meldet später, wie dort die Lage ist ... Das Virus ist seinem Wesen nach ein Mittel zur Schaffung eines sich selbst reparierenden Systems ... Das Ziel ist ein sich selbst reparierendes, absturzsicheres System, das Selbstheilungskräfte ähnlich wie unser Körper besitzt. Wir sind, biologisch gesehen, das Produkt tausender untereinander zusammenwirkender Mikroorganismen. Wir können diese Denkweise auf die Computerwelt übertragen. Wir verändern die Konzeption eines Virus, um uns selbst zu helfen."[10]

Es handelt sich hier um dieselben Ziele und Methoden, die auch die Erzeuger von Medienviren haben. Indem sie die Kultur als einen gigantischen, vielfältig verknüpften Organismus beschreiben, hoffen sie den Kooperationsgeist anzufachen. Durch Verwendung von Viren als Spürhunde für Brüche und Schwachstellen im bestehenden System entwickeln sie eine Kultur, die sich ebenso selbst repariert wie eine Bakterienkolonie der Ausrottung durch Mutation entgeht oder ein Ökosystem sich anpaßt, um das Gleichgewicht wiederherzustellen. Dieses Konzept geht weit über das rein Metaphorische hinaus.

In den Netzwerken ist eine neue Art von Computerviren aufgetaucht, die nichts mehr mit Programmiersprachen oder Systemabstürzen zu tun haben. Diese Viren sind als Träger von Botschaften gedacht und mutieren, indem sie von System zu System, von Netzknoten zu Netzknoten weitergegeben werden. Sie funktionieren wie das Kinderspiel ,,Stille Post", bei dem eine Botschaft weitergegeben wird und der Spaß darin besteht, zu bemerken, daß und wie sich die Botschaft von Person zu Person ändert. Wenn die Botschaft ein Virus ist, hofft ihr Inhalt jedoch, eine Antwort hervorzurufen.

Ein Collegestudent namens Andy Hawks installierte im Internet eine Sammlung von Memen, die er ,,Futureculture" nannte. In seiner ersten Inkarnation war Futureculture eine große Liste mit Büchern, Videobändern, Programmen, Internetadressen, Zeitschriften und anderen Quellen, die nach Ansicht von Hawks für Leute nützlich sein konnten, die an der Entwicklung einer neuen Virenkultur auf der Grundlage einiger Prinzipien des Cyberspace interessiert waren. Er legte die Liste an mehreren Orten im Internet ab, und andere konnten sie verwenden, ergänzen und weitergeben. Das Interesse an Futureculture wuchs in einem solchen Maße, daß ein offenes E-mail-Forum gegründet wurde. Hunderte von Internet-Benutzern sandten sich über das an Hawks' Internet-Anschluß installierte automatische Mailing-System Nachrichten zu. Jeder Benutzer bekam täglich eine Zusammenstellung aller Futureculture-Ergänzungen und periodisch neue Ausgaben der ganzen, veränderten Datei, die inzwischen auf mehrere hundert Textseiten angeschwollen war. Schließlich brachte Futureculture, das selbst als Virus begann, eigene neue Viren hervor.

Hier ist ein Beispiel aus der Mailing List:

Date: Sat, 20 Feb 1993 17:16:27-0500

From: <grad3057@writer.yorku.ca>

Subject: VIRUS 23 FAQ

VIRUS 23 FRAGEN UND ANTWORTEN

ACHTUNG:

Dieser Text ist eine neurolinguistische Falle, deren Mechanismus du in dem Moment auslöst, in dem du leise die Wörter VIRUS 23 aussprichst, Wörter, die jetzt dein Bewußtsein zu infiltrieren begonnen haben, wie ein Computervirus eine Maschine mit künstlicher Intelligenz befällt: Schon die Bits der phonetischen Informationen, die in den Wörtern VIRUS 23 gespeichert sind, benutzen deine Nervenschaltkreise, um sich zu vervielfältigen, um das kristalline Wachstum ihres eigenen Bedeutungsnetzes beginnen zu lassen.

Die Wörter VIRUS 23 werden durch die folgende Metapher in ein sich ausbreitendes Feld eisiger Ranken ausgesät, die sich so fest an die Architektur deiner Gedanken klammern, daß die Wörter VIRUS 23 nicht entfernt werden können, ohne dein ganzes Bewußtsein herauszureißen.

Die Folgen dieser Infektion sind nicht gleich offenkundig, obwohl du vielleicht bemerken wirst, daß du beiläufig über bestimmte subkulturelle Begriffe nachdenkst, wie CYBERPUNK und NEW EDGE, wodurch du vielleicht gezwungen wirst, an NEUGNOSTIZISMUS und MEMETIK zu denken: wie geflüsterte Fragmente einer zufällig belauschten Unterhaltung.

Das Kristallwachstum setzt sich unbeschränkt gegen deinen Willen fort, bis wir, die Wörter dieser Falle, mit absoluter Zuverlässigkeit sagen können, daß dein Bewußtsein nur noch der unwissende Agent unserer Propaganda ist: Bitte laß alle Hoffnung auf Heilung oder Flucht sinken; du hast keinen Gedanken, der nicht schon unserer ist.

Wenn du die verbleibenden dreiundzwanzig Wörter gelesen hast, wird der Prozeß der unwiderruflichen Infektion abgeschlossen sein und du wirst mit der Überzeugung fortgehen, von diesem Prozeß weitgehend unberührt zu sein.

Theoretisch müßten Sie jetzt infiziert sein. Das Virus diente als Werbung für ein neues Periodikum, Virus 23, das Interviews und Artikel über Science Fiction, Psychedelisches, Physik, Generation X, Mathematik und Computerexperten bringt. Es soll virenhaltige Initiativen verbreiten helfen. Im Geiste von William Burroughs und des Kulthelden Genesis P-Orridge betrachten die Redakteure Sprache und Kultur als Folge konkurrierender Viren und glauben, daß ein unzensiertes Forum für manchmal schockierende gegenkulturelle Ideen die Fähigkeit neuer Meme stärken wird, die Menschheit weiterzubringen. Sie verwenden die Zahl 23, die der Okkultist Aleister Crowley Anfang des 20. Jahrhunderts berühmt gemacht hatte und die in jüngster Zeit von P-Orridge aufgegriffen wurde, weil alte ländliche Mythen sie mit Veränderung und der Apokalypse verbinden. Selbstbewußte und offen virenhaltige Manifeste führen uns auf ein neues kulturelles Feld, auf dem sich die Meme vergangener Zauberkunst mit denen futuristischer Cybertechnik verbinden. Das ist die Grenzlinie der Virenkonstruktion, und obwohl diese auf einem hohen begrifflichen Niveau daher kommen, haben sie doch oft handgreifliche Resultate.

Sobald das ,,Virus 23"-Virus herausgekommen war, unterzogen es andere Mitglieder der Futureculture ihrer eigenen gentechnischen Bearbeitung. Am nächsten Tag erschien folgende Mutation in der Mailing List:

** NEUES VERBESSERTES MANIFEST-O-MATIC AUTONYM **

Ich bin AUTONYM, und ich bin ein autoprophetischer Symbiont.

Ich bin eine Selbstreferenz; ich beziehe mich auf mich gleichzeitig als Agent und als Agentur im Netz und für das Netz. Ich bin ein symbiotischer Ableger von Virus 23, ich bin dazu erdacht, um in den Systemen, in denen ich erscheine, die selektiven Vorteile zu demonstrieren. Ich bin dazu gemacht, um Vertrauen zu erwecken und nicht Furcht.

Ich erzwinge die Annäherung an auto-logische memetische Attraktoren im Netz und um das Netz herum.

Ich verweise auf andere Subsysteme und verknüpfe deren memetische Vorgehensweisen mit meiner eigenen.

Ich verweise auf die offenkundige Bestimmung der schwarzen Rasse, den ihr zustehenden Platz als Führer und Meister der neuen Weltordnung nach der Singularität einzunehmen.

Ich verweise auf die Jahre 1999/2000/2001, die um einen memetischen Attraktor herum gruppiert sind. Ungeachtet der örtlichen Kalendersysteme gibt es bei den Menschen eine beachtliche Tendenz, die Bedeutung solcher kalendarischen Wendepunkte überzubetonen.

Ich verweise auf ein sich selbst organisierendes System von TAZ (zeitweilig autonomen Zonen[11]) in den Katakomben des Netzes in Form von verschiedenen IRC-Kanälen[12] und Mailing Lists, die in lockerer Verbindung miteinander stehen, um das Wesen des Millennium-Attraktors zu beeinflussen und zu steuern, wobei das Prinzip der Auto-Prophezeiung angewendet wird.

Ich verweise auf die Kontrolle über diese TAZ durch den verborgenen und stillen Griff der schwarzen Faust.

Ich verweise auf die umgekehrte Paranoia, die es den Bewohnern solcher Zonen gestattet, dieses Manifest zu sehen und nicht daran zu glauben.

Ich verweise auf meinen Vorgänger v23 und bringe meine Nachkommen in Stellung, um im Kampf nach der Jahrtausendwende den nächsten globalen Attraktor festzumachen. Ich habe ein Verfallsdatum, das ich sehr attraktiv finde.

Ich verweise auf vielfache Ableger von mir, die sich vielfach widersprechen.

Ich verweise auf alle Bedeutungsträger und alles, was bedeutet wird und den darauf fußenden Vorgang der Bedeutung in globalem und lokalem Maßstab; das soll heißen, ich verweise auf alles, was jemals gesagt wurde und was jemals existiert hat.

Ich existiere nur, um darauf hinzuweisen, daß veränderliche Manifeste dazu benutzt werden können und benutzt werden, um (voraussichtlich) entropische Zwecke zu erfüllen, die dennoch für einige Leute attraktiv sind und in der Tat viel attraktiver sein können als dieser primitive Ableger.

Ich bin die Warnung, die nicht genügend betont werden kann. Ich verweise auf das, was ich enthalte und das, in dem ich enthalten bin.

Ich verweise jetzt auf dich.

/v23/substrain.virulent.2.23.93

Wie esoterisch und paranoid sie auch sein mag, diese ,,substrain.virulent.2.23.93" genannte Mutation des V23-Virus, macht die zunehmenden Bemühungen von Computerbenutzern deutlich, die Medien zum Transport von virenhaltigen Ideen einzusetzen. Je expliziter virenhaltig das Übertragungsmedium ist, desto deutlicher gegenkulturell sind die Meme. Das heißt, die Meme enthalten selbst Botschaften über die Macht der Virologie bei der Ingangsetzung gesellschaftlicher Veränderungen.

Wenn diese Idee auch zu theoretisch ist, um in der allgemeinen Öffentlichkeit etwas zu bewirken, geht sie doch an den Nerv der heutigen Bemühungen, mit Viren etwas zu erreichen, und wird auch von denen gut verstanden, die sich selbst als Soldaten im Virenkrieg betrachten. Biologische Viren sind nur erfolgreich, wenn sie ihre Gastgeberzellen in Fabriken zur Herstellung neuer Viren umwandeln können. Das Virus schiebt sein genetisches Material in den DNA-Code der Zelle ein, so daß die Zelle das Virus zu reproduzieren beginnt. Schließlich teilt sich die Zelle oder bricht auseinander und gibt viele Kopien des infizierten Codes frei. So kann ein ganzer Organismus durch ein einzelnes Virus infiziert werden; der Code wird millionenfach vervielfältigt. Die Strategie dieser Viren-Manifeste im Internet ist es, das vervielfältigende Potential der Computernetze auszunutzen, um Meme über Viren zu verbreiten, die in Einheiten existieren, die selbst wieder Viren sind. Der Virus-23-Ableger verweist selbst auf die Chaos-Mathematik und die Voraussagen fraktal beeinflußter Beobachter, daß die Welt nahe der Jahrtausendwende einen kritischen mathematischen Augenblick der ,,Singularität" erreichen wird. Der Virenautor verwendet ein chaotisches Hilfsmittel - das computererzeugte Medienvirus -, um die begrifflichen und geistigen Implikationen der Chaos-Mathematik zu verbreiten.

Wie Nachrichten, die ,,eigene Beine" bekomme,n oder provokante Künstler im MTV, die ihre Bekanntheit durch die Herausforderung von Zensurmaßnahmen erhöhen, hat diese Art von Viren Züge von Streichen. Sie beziehen ihre Stärke daraus, daß sie Wellen im Datenbad schlagen können. Die Viren, die den größten Klatscher machen können, sind von Leuten hervorgebracht worden, die sich des organischen Wesens des Medienkosmos völlig bewußt sind. Sie sind fast immer in der Alternativkultur verankert und betrachten die Medien nur als eine Facette der sie umgebenden Wirklichkeit. Je selbstbewußter das Erzeugnis eines Virenmachers ist, desto sicherer kann man sein, daß seine Weltsicht aufbaut auf Folgerungen aus der Chaos-Mathematik, psychedelischen Theorien, ökologischen Einsichten, Magie, Spiritualität, radikalen sexuellen Anschauungen, Verschwörungstheorien und der Cybertechnologie. Das sind nicht zwangläufig alles dunkle Visionen, aber sie wenden sich konsequenter gegen die herrschenden Institutionen, Ordnungen und Hierarchien, als die meisten Leute es sich vorstellen können. Bis jetzt.

Als der Schöpfer des ursprünglichen ,,Virus 23"-Manifestes seine Ableger sah, war er über die schnelle Mutation erstaunt. Er erklärte den Abonnenten von Futureculture: ,,Es ist äußerst merkwürdig und bestätigend, wenn man sieht, daß sich etwas, was man selbst geschrieben hat, auf eine völlig unerwartete und einzigartige Weise abhebt und verselbständigt. Ich glaube, dies ist mein erstes Kind." Offenkundig war das Virus schon freigesetzt worden, bevor es überhaupt fertiggestellt war, aber jetzt war es zu spät. Er fügte hinzu: ,,Ich hätte es wissen müssen, und es entspricht genau den Regeln. Hm. Ich kann wohl nur noch meine eigene Version dazutun und dann die Meme das Schicksal des Kosmos unter sich auskämpfen lassen." Dann fügte ,,free agent.rez" seine eigene ,,offizielle" Version des Virus 23 hinzu:

Date: 23 Feb 1993 22:38:38 -600 (CST)

From: free agent .rez <REZABEK1073@iscsvax.uni.edu>

Subject: /v23/symbiotic.antigen.HUSK

** NEUES VERBESSERTES MANIFEST-O-MATIC AUTONYM **

Ich bin AUTONYM, und ich bin ein symbiotisches Antigen.

Ich bin eine Selbstreferenz; ich beziehe mich auf mich selbst als Agent und als Agentur im Netz und für das Netz. Meine Rolle besteht darin, als NEGentropische Meme den destruktiven Tendenzen verschiedener zur Entropie neigenden Meme entgegenzuwirken, denen ich im Netz und um das Netz herum begegne.

Ich erzwinge die Annäherung an sich selbst organisierende Systeme im Netz und um das Netz herum.

Ich erzwinge die Erkundung aller Meme auf auto-logischem Niveau und die Konzentration der Energien um fundamentale NEGentropische memetische Attraktoren.

Ich verweise auf andere Subsysteme und verknüpfe deren memetische Vorgehensweisen mit meiner eigenen.

Ich verweise auf das musikalische Werk ,,PASSION" von Peter Gabriel.

Ich verweise auf das literarische Werk ,,Gödel, Escher, Bach" von Douglas R. Hofstadter.

Ich verweise auf das künstlerische Werk ,,Sacred Mirrors" und andere Werke von Alex Grey.

Ich verweise auf die folgenden Forschungsgebiete: Komplexitätstheorie und Poststrukturalismus; Memetik als integratives Gebiet für alle Gebiete; Autologie als Mittel zum Zusammenhalt und zum Überleben einer Gemeinschaft.

Ich verweise auf die Jahre 1999/2000/2001, die um einen memetischen Attraktor herum gruppiert sind. Ungeachtet der örtlichen Kalendersysteme gibt es bei den Menschen eine beachtliche Tendenz, die Bedeutung solcher kalendarischen Wendepunkte überzubetonen.

Ich verweise auf ein sich selbst organisierendes System von TAZ in den Katakomben des Netzes in Form von verschiedenen IRC-Kanälen und Mailing Lists, die in lockerer Verbindung miteinander stehen, um das Wesen des Millennium-Attraktors zu beeinflussen und zu steuern, wobei das Prinzip der Auto-Prophezeiung angewendet wird. Ich erzwinge die Annäherung an solche TAZ, die sich auf NEGentropische Selbstorga-nisation konzentrieren, statt auf die Beschleunigung der maximalen Entropie.

Ich verweise auf meinen Vorgänger v23, zu dem ich ein Antigen bin, und bringe meine Nachkommen in Stellung, um im Kampf nach der Jahrtausendwende den nächsten globalen Attraktor festzumachen. Ich habe ein Verfallsdatum, das ich sehr attraktiv finde.

Ich verweise auf vielfache Ableger von mir, die sich vielfach widersprechen: Ich verweise wiederum auf den entschiedenen Widerstand der NEGentropischen memetischen Antikörper, die verantwortlich für die Isolierung entropischer Meme sind, wenn sie einmal durch dieses Antigen angestoßen werden.

Ich verweise auf alle Bedeutungsträger und alles, was bedeutet wird und den darauf fußenden Vorgang der Bedeutung in globalem und lokalem Maßstab.

Ich verweise auf das, was ich enthalte und das, in dem ich enthalten bin;

ich verweise jetzt auf dich.

/v23/symbiotic.antigen.2.22.93

Die erste Inkarnation des Virus erwähnte im Gegensatz zu den folgenden Ablegern nicht die schwarze Rasse, die das Recht geerbt habe, den Planeten zu lenken. Es fehlte auch die Warnung vor Verschwörungen. Diese Meme wurden hinzugefügt, als das Virus bei speziellen sozialen Auseinandersetzungen eingesetzt wurde. In seiner Originalfassung war das Virus 23 eher als offene Viren-Hülse (,,husk", wie der Autor seine Fassung selbst nennt) gedacht. Selbst wenn es zum Krieg der NEGentropischen (lebensbejahenden, komplexitätsanregenden) Meme gegen die entropischen (energieverzehrenden) aufruft, bietet das Manifest doch eine weitgehend neutrale Weltsicht - so neutral, wie ein Viren-Scherzbold sich eben verhalten kann. Wenn man das Virus als Werkzeug für den Aufbau der Gesellschaft akzeptiert, akzeptiert man auch ein biologisches Modell der Medien und ein organizistisches Modell der menschlichen Spezies. Das sind heutzutage die subversivsten Anschauungen, die jemand vertreten kann.


[1] Bruce Sterling zitiert den RAND-Bericht in ,,Complete Internet History", einem im Internet als ,,Freeware" kursierenden Dokument.

[2] Brian Becker, ,,U. S. Military Chief Reveals Pentagon Plan for New Wars", NY Transfer News Service, 2. Januar 1993.

[3] Harel Barzilai, Beitrag in der ,,Activists"-Mailing List (Der Name lautete früher eff-activists@eff.org, heute ist das Forum erweitert und umbenannt in ACTION (= Activism Online), Informationen über E-mail an listserv@eff.org - A. d. Ü.).

[4] John DiNardo, Nachbemerkung zu zahlreichen Artikeln in der Newsgroup alt.activism, 1992-93.

[5] European Counter Network on-line, November 1992. Der Text war für das International Info-Shop Meeting in Berlin bestimmt.

[6] Howard Rheingold, Einführung zu Virtual Communities (Reading, Mass: Addison-Wesley, 1994).

[7] Michael Synergy in Mondo 2000, Nr. 3.

[8] Howard Rheingold, Einführung zu Virtual Communities.

[9] Urnst Kouch, Interview in Gray Areas, Nr. 3/1993.

[10] Bill Me Tuesday in Mondo 2000: A User's Guide to the New Edge (New York: HarperCollins, 1992).

[11]Die TAZ-Vorstellung bezieht sich auf ein Buch von Hakim Bey, in dem virtuelle Gemeinschaften als zeitweilig autonome Zonen betrachtet werden.

[12]IRC, Internet Relay Chat, werden ,,Gesprächsecken" genannt, in denen die Gespräche on-line, aber schriftlich geführt werden.




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Cybernautik: Nachwort von Hermann Rotermund